+ + + Dr. Rolf Legler + + + Beginn der Vortragsreihe: „Der Raum in Architektur und Kunst“ + + + 17.10.2017, 19 Uhr + + + Otto-Galerie, Augustenstraße 45/1 + + +

Die ALLOTRIA

Die ALLOTRIA ist eine seit dem späten 19.Jh. bestehende Münchner Künstlergesellschaft. Die ALLOTRIA ist gleichzeitig neben der Münchner Künstlergenossenschaft die älteste noch lebendige Münchner Künstlervereinigung.

Geschichte

Anfang des Jahres 1873 fand sich die gesamte Münchner Künstlerschaft unter Führung der Münchner Künstlergenossenschaft zur Beratung über die Präsentation der aktuellen Münchner Kunst auf der anstehenden Weltausstellung in Wien zusammen. Die diesbezüglichen Ideen der Jüngeren wichen erheblich von den traditionsgebundenen Vorstellungen der arrivierten Vertreter ab. Deren Wortführer und zugleich Vorsitzender der Künstlergenossenschaft Konrad Hoff denunzierte die Ideen der Jüngeren als „Allotria“. Letztere reagierten mit der Gründung einer neuen, eigenen Künstlergesellschaft, die auch gleich ihren Namen gefunden hatte, nämlich ALLOTRIA.


Unter den fünfzig Mitgliedern der neuen Künstlergesellschaft fanden sich prominente Namen wie Diez, Gedon, Kaulbach, Lenbach und Stuck. Schnell entwickelte sich aus dieser ersten Sezessionsgruppierung Deutschlands bedeutendste Künstlergesellschaft aller Zeiten. Während man 1892 unter der Leitung von Lenbach, Miller und Gabriel Seidl (Architekt) endgültig an die Realisierung der seit 1840 bestehenden Idee eines Hauses für alle Künstler der Stadt (= Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz) ging, erlebte die erfolgsverwöhnte ALLOTRIA ihre erste ‚Watschn‘. Ehemalige Allotrianer wie Diez oder Stuck vollzogen die zweite Münchner Sezession, die diesmal unter diesem Namen in die Kunstgeschichte einging. Dem Münchner Beispiel folgten wenige Jahre später die Wiener und die Berliner Sezession. Weitere neue Formierungen wie Werkbund oder Blauer Reiter liefen der älteren ALLOTRIA den Rang ab.


Die folgenden Jahrzehnte mit 1. und 2. Weltkrieg und dazwischen der Nazityrannei waren schlechter Boden für eine quicklebendige und für Neuerungen aufgeschlossene Künstlerschaft. Am 14. Juli 1944 zerstörte eine amerikanische Fliegerbombe die Mitte der allotrianischen Welt.


Aber altgediente Allotrianer sorgten nach 1946 wieder für einen Neuanfang. Dazu gehörte der zügig vorangetriebene Neuaufbau des alten Wahrzeichens Münchner Künstlerstolzes und Münchner Künstlergeselligkeit, des heutigen Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz. Bereits 1959, noch zwei Jahre vor Abschluss der Renovierungsarbeiten, kehrten die verbliebenen Allotrianer zurück an die vertraute Stätte ihres Wirkens und Feierns. Und 1961 war dann die Einweihung des neuen Künstlerhauses wieder ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Herzog Albrecht von Bayern vollzog die Rückgewinnung alten Künstlerstolzes mit einem Scherenschnitt.


Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Bestehens der ALLOTRIA konnte am 8. Oktober 1973 Oberbürgermeister Georg Kronawitter konstatieren: „Vor 100 Jahren, als München sich anschickte neben Berlin und Wien eine deutsche Kulturmetropole zu werden, wurde in unserer Stadt die Künstlergesellschaft ALLOTRIA gegründet. Namen wie Lenbach und Wagmüller, Kaulbach und Seidl, Gabriel Max und Lorenz Gedon machten sie zur ‚glänzendsten Künstlergesellschaft Deutschlands‘. Sie wurde berühmt für ihre rauschenden Feste und ihre ernste künstlerische Arbeit. Sie beeinflusste das künstlerische Leben Münchens. Sie prägte mit das Gesicht dieser Stadt, schärfte ihren Geist und förderte ganz wesentlich ihre kulturelle Bedeutung. 100 Jahre ist sie jetzt alt, die ALLOTRIA, aber sie ist noch längst nicht müde“


Gerade letzteres unterstreichen mögen diese Website und die darin vorgestellte Werkschau des aktuellen Jahresprogramms und die Rückschau auf Aktivitäten des vergangenen Kalenderjahres.